Reifenhandel gewinnt und verliert durch Abwrackprämie
31. März 2010
Besser als erwartet verlief für den deutschen Reifenhandel im vergangenen Jahr
das Geschäft mit Pkw-Pneus. Zwar brach der Absatz bei Sommerreifen gegenüber 2008
um 6,9 Prozent ein. Dafür gab es beim Winterreifengeschäft ein sattes Plus von 13
Prozent. Der Branchenverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) führt diese
Steigerung auf die kalten Temperaturen im November/Dezember und die Abwrackprämie
zurück. Der Boom bei Neuwagen löste eine starke Nachfrage nach Winterreifen aus.
Zum ersten Mal lag nach Verbandsangaben die bundesweite Umrüstquote auf Winterreifen
in der Saison 2009/2010 deutlich über 80 Prozent. Ganzjahresreifen erfassen die
Branchenstatistiker übrigens im Segment Sommerreifen. Insgesamt wurden durch die
Überkompensation durch Winterreifen 1,1 Millionen mehr PKW-Reifen verkauft als
im Jahr zuvor. Der Absatz stieg in Deutschland um 2,4 Prozent auf 47,1 Millionen
Pkw-Reifen. In diesem Segment beobachtet der Branchenverband seit Jahren drei
Trends: Die Reifen würden länger genutzt und bis auf die vorgeschriebene
Mindestprofiltiefe abgefahren, zudem seien eine geringere jährliche Fahrleistung
bei Pkw und eine verlängerte Laufleistung bei den Reifen als Folge der ständigen
Produktweiterentwicklung zu beobachten.
Der klassische Reifenfachhandel selbst verkaufte nach Verbandsangaben im vergangenen
Jahr rund 44 Prozent aller Pkw-Reifen. Mehr als die Hälfte des Umsatzkuchens
verteilte sich aber auf Autohäuser (35 Prozent), Fachmärkte (12 Prozent),
Online-Anbieter (4,8 Prozent) und Sonstige wie Baumärkte und Tankstellen
(knapp 4 Prozent).
Auf Talfahrt waren die Verkäufe bei Motorradreifen:
Nach einem Plus von rund vier Prozent in 2008 verbuchte der Reifenhandel hier mit
1,13 Millionen verkauften Pneus einen Rückgang um 12,4 Prozent. Schuld daran trage
die Abwrackprämie und der "Hype" nach staatlich subventionierten Kleinwagen zu Lasten
von Krafträdern und Rollern, analysiert der Branchenverband.
Für das Geschäftsjahr 2010 rechnet der BRV mit einer "moderateren Entwicklung in
den einzelnen Produktsegmenten". Im deutschen Reifenhandel gibt es derzeit rund
2.100 Unternehmen mit insgesamt etwa 4.300 Betriebsstätten. Der Anteil der freien
Reifenfachhändler schrumpfte im Zeitraum 1992 bis 2007 zugunsten der mehr oder
weniger industriegebundenen Anbieter von 82 Prozent auf derzeit rund 61 Prozent.
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