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Abwrackprämie senkt ESP-Quote bei Kleinwagen

20. Mai 2010
Kaum zu glauben: Die Ausrüstungsquote aller neu zugelassenen Autos mit ESP ging von 81 Prozent im Jahr 2008 auf 78 Prozent in 2009 zurück. Es kamen nach Schätzungen der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Boomjahr 2009 über 830 000 neue Pkw ohne den elektronischen Schleuderschutz ESP in den Verkehr. Der Grund: Wegen der Abwrackprämie hatten sich Käufer statt für einen Gebrauchtgleich für einen Neuwagen entschieden.

Dabei handelte es sich oft um Einstiegsmodelle ohne serienmäßigen elektronischen Schleuderschutz. Aufschläge ab ca. 300 Euro für Fahrassistenzsysteme schrecken im Mini- und Kleinwagensegment viele Kunden aus Kostengründen ab. Elektronische Systeme wie ESP korrigieren in kritischen Fahrsituationen durch gezielte Bremseingriffe das gefährliche Über- oder Untersteuern des Fahrzeugs. In welchem Umfang moderne Fahrzeugtechnik zur Verkehrssicherheit beiträgt, untersuchte die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Danach waren Fahrzeuge mit ESP in Schleudersituationen auf Landstraßen zu 40 Prozent weniger in Unfälle mit schweren Personenschäden verwickelt als Fahrzeuge ohne das elektronische Sicherheitssystem. Aber noch immer fehlt nach Angaben von Siegfried Brockmann, Leiter der UDV, bei rund einem Viertel aller Fahrzeugmodellreihen eine serienmäßige Schleuderhilfe. Von den Minis werden aktuell nur 11 Prozent mit ESP angeboten, bei den Kleintransportern sind es 23 Prozent und bei Kleinwagen 50 Prozent.

Hingegen haben in der oberen Mittelklasse, in der Oberklasse und im Sportwagensegment alle Modellreihen einen serienmäßigen elektronischen Schleuderschutz an Bord. Im Mini-Segment können dies nur die Stadtflitzer Smart und Toyota IQ für sich beanspruchen. Die Hersteller Dacia und Daihatsu haben nach UDV-Angaben überhaupt kein Fahrzeug mit serienmäßiger elektronischer Stabilitätskontrolle im Angebot, bei Lada gibt es ESP auch nicht einmal gegen Aufpreis. Ab November 2011 müssen in Europa alle neu auf den Markt gebrachten Pkw-Modellgenerationen mit diesem Sicherheitssystem ausgestattet sein, ab November 2014 gilt dies für alle Neufahrzeuge generell. Bis alle neuen Fahrzeuge nach einer EUVerordnung serienmäßig mit ESP ausgeliefert werden, vergehen also noch rund viereinhalb Jahre.

Umso wichtiger ist es nach Ansicht von UDV-Leiter Siegfried Brockmann, sich schon jetzt nur noch Neufahrzeuge mit ESP zu kaufen und auch bei Gebrauchten lieber etwas länger zu suchen. Wie Brockmann und andere Experten fordert auch der ARCD Auto- und Reiseclub Deutschland seit Langem von den Herstellern, ihre Modelle serienmäßig mit ESP auszuliefern und die EU-Fristen nicht bis zum letzten Tag auszureizen.

Hinweis:
Elektronische Stabilitäts-Programme werden von den Herstellern unter verschiedenen Namen angeboten:
ESP (Elektronisches Stabilitäts-Programm): Audi, Ford, Mercedes, Opel, Peugeot, Renault, Seat,
Skoda, VW
VSC (Vehicle Stability Control): Daihatsu, Toyota
DSC (Dynamic Stability Control): BMW, Ford, Mazda
VSA (Vehicle Stability Assist): Honda
MASC (Mitsubishi Active Stability Control): Mitsubishi
VDC (Vehicle Dynamic Control): Nissan, Subaru
DSTC (Dynamic Stability & Traction Control): Volvo
PSM (Porsche Stability Management): Porsche
StabiliTrak: Cadillac
Quelle: Unfallforschung der Versicherer (UDV)

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