Schwere Zeiten für kleine Autohändler und Mehrmarkenvertrieb
2. Juni 2010
Im Rahmen der Revision der EU-Wettbewerbsregeln und der so genannten Gruppenfreistellungsverordnung für den Verkauf
und die Wartung von Neuwagen werden sich auch die Vertriebsregeln ab 2013 ändern. Nach Ansicht der EU-Kommission hat
sich der Wettbewerb beim Neuwagenvertrieb in den letzten Jahren stark verbessert. Bestimmte sektorspezifische Klauseln
sollen daher entfallen, die sich nach Ansicht der Brüsseler Kommission als unwirksam oder kontraproduktiv erwiesen und
für höhere Vertriebskosten gesorgt haben. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hofft, dass sich geringere
Vertriebskosten auf Seiten der Hersteller und Händler auch in niedrigeren Preisen für die Konsumenten niederschlagen werden.
Der neue Rechtsrahmen soll eine flexiblere Organisation diverser Vertriebsnetze ermöglichen, in denen laut Prognose der
Kommission Händler, die mehrere Marken führen, und Händler, die ausschließlich die Fahrzeuge eines Herstellers vertreiben,
nebeneinander existieren. Der Verband der europäischen Automobilhersteller ACEA bezeichnete die 2013 in Kraft tretende
Vereinfachung der Wettbewerbsregeln als "ausgewogen", Experten der FIA (Fédération Internationale de l'Automobile) rechnen
jedoch mit einem Verschwinden von Mehrmarken-Händlern zugunsten konzessionierter Verkaufsstätten. Auch der Vorsitzende
der CSU-Gruppe im EU-Parlament, Markus Ferber (EVP), kritisierte das Auslaufen der bisherigen Regelung als "falschen
Rückschluss". "Das von der Kommission konstatierte Mehr an Wettbewerb konnte auch durch die Ausnahmeregelungen
ermöglicht werden. Können Hersteller und Importeure den Mehrmarkenvertrieb nun wieder einschränken, bewegen wir uns
wieder in die entgegengesetzte Richtung", erläuterte Ferber. "Da könnten am Ende vor allem die kleinen Händler nicht mehr
mithalten", befürchtet der Augsburger EU-Abgeordnete. ARCD
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